Der Name
Der Name
Ardez wird erstmals im 9. Jahrhundert im Karolingischen Urbar als „fiskalische Taberne bei Ardezis“ erwähnt. Über die Herkunft des Namens sind sich selbst die Gelehrten nicht einig. Die einen behaupten,
Ardez sei keltischen Ursprungs, andere wieder meinen,
Ardez sei ein Erbe der eingewanderten Räter. Nach der Errichtung der Burg Steinsberg nannte sich unsere Gemeinde in allen in deutscher Sprache abgefassten Schriften auch
Steinsberg, bis 1880 die Regierung die Gemeinde anwies, sich für den einen oder andern Namen zu entscheiden. Die Gemeindeversammlung entschied sich einstimmig für
Ardez.
Sigel der Gemeinde Steinsberg

Unser seit 1952 von der Regierung zugeteiltes Gemeindewappen besteht aus zwei Hälften. Die obere Hälfte ziert ein halber Steinbock und die untere Hälfte ein weisses Shiva-Kreuz auf schwarzem Grund, das an unsere frühere Zugehörigkeit zum Gotteshausbund erinnert.
Ardez ist eines der ältesten Dörfer des Unterengadins. Nach der Zerstörung durch die Österreicher unter Baldiron im Jahre 1622 wurde es auf den noch vorhandenen Fundamenten und Mauern wieder aufgebaut, und seither ist es nie mehr weder durch Naturereignisse noch durch Feuersbrünste zerstört worden. Ursprünglich waren die Häuser mit Strickholz gebaut und wurden erst später aussen aufgemauert und aufgestockt. Die meisten sind in den letzten Jahren restauriert worden und das Dorf präsentiert sich heute als ein schönes Engadiner Bauerndorf. Für heutige Landwirtschaftsbetriebe sind die Stallungen in den Engadiner Häusern zu klein und die Landwirte sind mit ihren Betrieben ausgezogen und haben am Dorfrand zeitgemässe Gebäude erstellt.

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Die Burg Steinsberg, um das Jahr 1000 von den Herren Von Frickingen erbaut, wechselte in den 500 Jahren ihres Bestehens oft die Besitzer, bis sie im Jahre 1499 anlässlich des Schwabenkrieges von den Österreichern zerstört wurde. Von der einst stolzen Burg ist nur der Turm übriggeblieben, welcher in den letzten Jahren vom heutigen Besitzer, Herrn Jon von Planta, mit Hilfe des Heimatschutzes und der Gemeinde restauriert wurde. Heute ist der Turm wieder bis zum obersten Stockwerk besteigbar.
Der Von Zun Turm südlich des Dorfes wurde seinerzeit von einer adeligen
Familie als Wohnturm erbaut. Später wurde das angeschlossene Bauernhaus
erstellt und der Eingang versetzt. Dieser Turm diente jahrelang als
Kreisgefängnis, später als Armenhaus und zuletzt als Unterkunft des
Geisshirten.
Im Altertum existierten in Ardez neben der Dorfkirche noch Kapellen in Chanoua, Bos-cha, Sur En und auf dem Burghügel. Die Dorfkirche diente vor der Reformation auch den Gemeinden Lavin, Guarda, Susch und Galtür als Talkirche. Nach der Reformation (1538) wurde diese 1577 abgebrochen und neu aufgebaut mit einer Empore nördlich des Kirchenschiffes, was für die damalige Zeit ein Novum war. Der Turm ist mit vier Glocken bestückt. Die älteste wurde 1519 (noch vor der Reformation) gegossen. 1803 kam eine zweite Glocke aus der Giesserei Grassmair im Ötztal hinzu und 1909 wurden die übrigen zwei Glocken von der Giesserei Egger in Staad bei Rorschach geliefert. Unsere katholischen Glaubensgenossen konnten erst nach grossem Widerstand der Gemeinde ihre bescheidene Kirche im Jahre 1871 unterhalb des Dorfes erstellen. Von den übrigen Kapellen existiert nur noch die kleine Kirche in Sur En.
Unsere Gemeinde hat von jeher grossen Wert auf eine gute schulische Ausbildung seiner Bevölkerung gelegt. Schon 1766 gründete die evangelische Kirchgemeinde eine obligatorische Primarschule, die neun Jahre dauerte. Allerdings beschränkte sich der Unterricht auf lediglich fünf Monate pro Jahr. Die Schulstatistik des Kantons des Jahres 1838 erwähnt für unsere Gemeinde 60 Schüler und zwei Lehrer, dazu noch eine katholische Schule mit l5 Schülern, die aber nach kurzer Zeit aufgelöst wurde. Infolge prekären Schulraumes gestattete die Gemeinde der Fraktion Sur En 1863 eigenständig eine Schule zu führen und selber zu finanzieren. Unterdessen wurde 1865 das neue Gemeinde-, Pfarr- und Schulhaus fertig erstellt und die Schule in Sur En wieder aufgehoben. Im Jahre 1895 beschloss die Gemeinde eine Sekundarschule zu gründen. Dass unsere Gemeinde Pionierin bezüglich Schulbildung war, beweist, dass sie bereits 1911 einen Kinderhort während des Sommers finanzierte, damit die Frauen bei der Heuernte mithelfen konnten. Auf Grund eines Dekretes aus Bern aus dem Jahre 1880 musste jede Gemeinde über einen Raum für Leibesübungen verfügen. Daher wurde aus der alten Dorfdrescherei in Sassagl der Turnschopf erstellt. Gleichzeitig baute man darüber vier neue Schulzimmer mit Aborten mit fliessendem Wasser, für die damalige Zeit eine Seltenheit. So entstand das kleine Schulhaus am westlichen Dorfeingang, das der Gemeinde bis 1960 diente. Im Jahre 1961 konnte das neue Schulhaus oberhalb des Dorfes bezogen werden. Leider haben wir 2007 unsere Sekundarschule nach Zernez verlegen müssen, hoffen aber sehr, dass wir wenigstens den Kindergarten und die Primarschule in weiter Zukunft im Dorf behalten können.
Bevor die Kantonsstrassen vom Kanton subventioniert wurden, waren die Gemeinden verpflichtet, die Verbindung zu den Nachbargemeinden zu jeder Jahreszeit aufrecht zu erhalten. So war unsere Gemeinde für die Verbindung nach Ftan und Tarasp verantwortlich. Der Verkehr Österreich – Lombardei wickelte sich auf der alten Engadinerstrasse ab, die durch unsere Fraktionen Chanoua und Bos-cha führte. Die Sust Chanoua, die bereits im neunten Jahrhundert erwähnt wurde, war damals ein wichtiger Treffpunkt für Wanderer und Umschlagplatz im Güterverkehr. Nachdem 1867 die Poststrasse durchs Unterengadin eröffnet wurde, verlagerte sich der Verkehr auf die neue Strasse und die Sust Chanoua wurde dem Verfall preisgegeben.

Die Verbindung nach Tarasp bereitete unserer Gemeinde immer wieder
Schwierigkeiten, weil die Brücke in Plan da Bocs über den Inn ständig
vom Hochwasser weggeschwemmt wurde. Nach dem Bau der Poststrasse mit
direkter Verbindung nach Scuol konnte auf die direkte Verbindung nach
Tarasp verzichtet werden. Die neue Strasse nach Ftan entstand im Jahre
1875 und kostete damals Fr. 61'000.- Nachdem der Autoverkehr auf den
Bündner Strassen freigegeben worden war, wuchs der Verkehr dermassen
an, dass unsere Dorfstrasse diesen nicht mehr bewältigen konnte.
Endlich wurden wir 1978 durch den Bau der Umfahrungstrasse davon
befreit.
Eine Offerte von Willi Brunold, 1906 unsere Gemeinde mit elektrischer Energie zu versorgen, wurde abgelehnt. Ein Projekt, zusammen mit der Gemeinde Ftan den Tasnan für elektrische Energie für beide Gemeinden auszubauen, liess man fallen. Offenbar war es mangelhaft geprüft worden. Am 3. Februar 1907 genehmigte die Gemeinde eine Offerte der Gemeinde Scuol, unserer Gemeinde elektrische Energie zu liefern. Die Gemeinde stellte dafür die Latten für die Leitung von Scuol bis Ardez zur Verfügung. 1913 wurde auch die Fraktion Bos-cha mit elektrischem Strom versorgt. Am 18. April 1914 wurde im ersten Gebäude des Dorfes, nämlich im Gemeindehaus, für Fr. 130.- das elektrische Licht installiert. Heute, nach ungefähr 100 Jahren, genehmigte unsere Gemeinde ein Projekt, das Wasser des Tasnan für elektrischen Strom zu nutzen.
Die Zeit des Bahnbaues war für unsere Gemeinde eine ziemlich turbulente Zeit. Nebst der einheimischen Bevölkerung von 600 Einwohnern kamen noch um die 1000 Fremdarbeiter hinzu, die sich zum Teil mit ihren Familien in Ardez niederliessen. Viele Arbeiter bewohnten die Kantinen in Pravuost, Tars und Müschains und andere hatten mit ihren Familien bescheidene Unterkünfte im Dorf gefunden. Nebst den Kantinen, die auch alkoholische Getränke ausschenkten, kamen noch 14 Wirtschaften hinzu. Für Ordnung in der Gemeinde sorgten ein Gemeinde- und ein Kantonspolizist. Eine strenge Wirtschaftsordnung wurde erlassen, die in jeder Hinsicht eingehalten werden musste und streng überwacht wurde. Ein Gesuch der Gemeinde für die Zeit des Bahnbaues eine italienische Schule zu führen, wurde von der Regierung abgelehnt. Der erste Zug Samedan – Scuol wurde 1913 von unserer Bevölkerung mit grosser Begeisterung empfangen.
Von der mannigfaltigen Flora auf Ardezer Gebiet ist der Österreichische Drachenkopf am bekanntesten, weil dieser in der Schweiz nur in Ardez und im Wallis vorkommt.

In der Engadiner Tierwelt spielt momentan der Bär die grösste Rolle. Nachdem dieser in unserer Gegend um 1900 ausgerottet wurde, ist er wieder vom Südtirol her eingewandert und treibt zum Ärger der Landwirte sein Unwesen im Unterengadin. Die letzten Bären auf Ardezer Gebiet wurden erlegt: 1850 ein Bär in Val Sampuoir durch Jon Könz, am 15. Oktober 1861 eine Bärin in Val Sampuoir durch Burtel Thom und Christian Marugg, die beiden Jungtiere entkamen. 1870 erlegte Simon Margadant von Sur En einen kleinen Bären in Val Nuna und 1876 einen in Val Sampuoir, der ausgestopft in der Trinkhalle in Nairs zu besichtigen war. Seit einigen Jahren zieht der Bartgeier wieder seine Kreise über unsere Seitentäler.
Ausführlichere Informationen zu unserer Gemeindegeschichte finden sich in der von Jon Claglüna zusammengestellten Broschüre “Ardez Ortsgeschichte“. Sie kann im Dorfladen „Volg“, bei Ardez turissem oder auf der Gemeindekanzlei bezogen werden.